Wie wird die Diagnose gestellt

Wer über Monate hinweg kürzlich Erlebtes sofort vergisst, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Demenz, helfen Spezialisten weiter - zum Beispiel mit neuropsychologischen Demenz-Tests. Das ist wichtig, denn nur auf eine exakte Diagnose kann die richtige Therapie folgen.

Viele ältere Menschen kennen ihre Hausärztinnen und Hausärzte seit Jahrzehnten. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn sie beobachten, dass ihre geistige Leistungskraft nachlässt. Hausärzte können gut einschätzen, wie sich die körperliche und geistige Verfassung ihrer Patienten über die Jahre verändert. Außerdem haben viele Menschen weniger Hemmungen, dem Arzt ihres Vertrauens ihre Sorgen mitzuteilen.

 

Die Entscheidung zum Arzt zu gehen

Sie haben sich entschieden einen Arzt aufzusuchen und ihre Symptome untersuchen zu lassen. Die "eine" Untersuchung die eine Demenz gesichert darstellen kann, gibt es leider nicht. Eine Demenz wird anhand vieler unterschiedlicher Untersuchungen erkannt. Es gibt keinen einzelnen Test oder Fragebogen, um eine Demenz sicher festzustellen.

Die Standardmethode umfasst eine sorgfältige Befragung des Betroffenen und eventuell auch der Angehörigen. Eine gründliche körperliche Untersuchung und Tests zur Erfassung des Denkens, Verstehens und der Orientierung, gehören ebenfalls dazu.

Warum die frühe Diagnose wichtig sein kann

Sollten sie mehrere Warnzeichen beobachtet haben, ist es wichtig so schnell wie möglich festzustellen, ob es sich um eine Demenz handelt weil:

  • einige seltene Demenzformen geheilt werden können, z.B. Demenzen, die durch Medikamente, Schilddrüsenerkrankungen oder eine Vitamin-Unterversorgung bedingt sind
  • die Chance vergrößert wird, von den vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen
  • die Unsicherheit genommen wird
  • mehr Zeit vorhanden ist, um für die Zukunft zu planen. Eine Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung kann so noch von dem Betroffenen mitgestaltet werden
  • im Bereich des Möglichen die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen verbessert werden kann

 

Eine Demenzdiagnostik kann Klarheit liefern und führt sogar zu einer gewissen Erleichterung, da Probleme nun einer Erkrankung zugeordnet werden können.

 

Abklärungswunsch

Am Anfang einer Demenzdiagnostik sollte immer ein emphatisches Gespräch mit dem Betroffenen und den Bezugspersonen stehen. Es gilt zunächst die Fragen zu beantworten:

 

  • Wer will was wissen? Und warum?
  • Möchte der Betroffene Gewissheit?
  • Sind es die Angehörigen die Klarheit möchten?

Die wichtigste Frage ist allerdings, was man hinterher mit der möglichen Antwort an? Schließlich gibt es auch ein Recht auf Nicht-Wissen, das gerade bei einer möglichen Demenzdiagnose zu respektieren ist.

Selten ist es sinnvoll, gegen den Willen eines potenziell Betroffenen Abklärungen durchzuführen. Hier bedarf es manchmal einiger Überzeugungsarbeit vonseiten der Angehörigen oder des Hausarztes, den Sinn von Abklärung auch dem Betroffenen klar zu machen.

Manchmal verbergen sich hinter einer Verweigerungshaltung ganz einfach Ängste, wie:

Die wollen mich doch nur ins Heim stecken

Solche Ängste lassen sich in vertrauenvollen Gesprächen oft schnell abbauen.

 

Der Hausarzt

Die erste Anlaufstelle ist sicher für die meisten der Hausarzt. Er kennt den Betroffenen wohlmöglich über viele Jahre und ihm kann man leichter und ehrlicher die bemerkten Veränderungen schildern.

Der Arzt wird dann einige Fragen stellen über akute und körperliche, sowie geistige Veränderungen. Auch eine Medikamentenliste sollte bereitgehalten werden, damit er sich ein Bild über die Einnahme aller Medikamente machen kann.

Er wird auch über Vorerkrankungen in der Familie Fragen stellen. Vielleicht kommt ein Angehöriger mit zum ersten Arzttermin. In dem Fall kann auch ein Angehöriger Auskunft über mögliche Beobachtungen und Veränderungen der letzten Monate geben.

 

Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Gehirns

Der Arzt wird Aufgaben stellen, in denen der Betroffene zu alltäglichen Dingen (z.B. Ort und Datum) befragt wird und einfache Rechenaufgaben lösen oder Geschicklichkeit demonstrieren muss oder zeigen, ob Orientierungsfähigkeit, Gedächtnis oder praktisches Geschick beeinträchtigt sind.

Der Mini-Mental-Status-Test oder der Uhrzeit-Zeichnen-Test werden oft verwendet. Ihr Arzt kann aber auch andere Tests einsetzen.

Eine körperliche Untersuchung wird der Arzt ebenfalls durchführen. Er beurteilt den Ernährungszustand, schaut nach Verletzungen und erfasst den Blutdruck und den Puls.

Weitere Diagnostik

Sollte ihr Hausarzt weitere Untersuchungen für erforderlich halten um eine genaue Diagnose zu stellen, wird eventuell ein Neurologe oder ein Psychiater hinzugezogen.

Durch eine gründliche neurologische Untersuchung, sollen Ursachen der Demenz im Bereich des Nervensystems und des Gehirns ausgeschlossen werden. Ebenso wird eine Laboruntersuchung stattfinden. Blut- und Urinuntersuchungen können Hinweise auf seltene, behandelbare Ursachen einer Demenz geben.

In bestimmten Fällen wird der Neurologe noch ein Computertomogramm (CT) oder Magnetresonanztomogramm (MRT) empfehlen. Diese Untersuchungen können hier sehr hilfreich sein.

Abklärung in einer Memory-Klinik

Ihr Hausarzt hat sie in eine Memory-Klinik überwiesen? Hier können sie an einer Gedächtnissprechstunde teilnehmen.

Gedächtnissprechstunden, Gedächtnisambulanzen und Memory-Kliniken sind Institutionen, die meist an größere Kliniken angeschlossen sind. Sie sind spezialisiert auf die Diagnose von Gedächtnisstörungen. Für Kassenpatienten ist eine Überweisung durch den Haus- oder Facharzt erforderlich, Privatpatienten können selbst einen Termin vereinbaren.

Dort sorgen eine ärztliche Untersuchung, neuropsychologische Tests, Blut- und eventuell auch Liquoruntersuchungen sowie bildgebende Verfahren für eine genaue Diagnosestellung.

 

 

 

 

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