Was Angehörige tun können

Rund 70% aller dementiell erkrankten Menschen werden von ihren Angehörigen versorgt. In den meisten Fällen (55%) handelt es sich dabei um die Töchter des/der Erkrankten. Diese geben im Laufe der Pflege meistens ihre Berufstätigkeit auf, damit eine häusliche Betreuung machbar bleibt. Der Wunsch, den Erkrankten so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu behalten, ist oft größer als der Erhalt der eigenen Gesundheit und Bedürfnisse. Allerdings grenzt dies manchmal an eine Aufopferung, und es ist vor allem das "schlechte Gewissen", welches die Angehörigen immer wieder dazu bewegt, weiterzumachen.

Die Bezugspersonen übernehmen eine  sehr schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, die sich oft über viele Jahre hinzieht. Nicht selten sind die Lebenspartner und ihre Kinder in die Pflege eines demenzerkrankten Menschen involviert.

In der langjährigen Pflege besteht die Gefahr, dass die Betreuungsperson selbst durch die anhaltende Belastungssituation erkrankt. Neben Depressionen, Angsterkrankungen und Schlafstörungen, treten nicht selten auch Suchterkrankungen auf. Auch besteht bei Betreuungspersonen ein erhöhtes Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken. Oft können sie ihrer eigenen Gesundheit nicht genügend Beachtung schenken. 

Deshalb ist die Aufklärung über die Erkrankung für pflegende Angehörige immens wichtig. Nur so wird Pflege auf beiden Seiten nicht zum "Kraftakt".

Es gibt viele Möglichkeiten, aus der Zeit mit der Krankheit, wertvolle und erfüllte gemeinsame Jahre zu machen.

Nutzen sie unser Demenzhilfe-Telefon oder die Möglichkeit einer kostenlosen Beratungsstunde in ihrem häuslichen Umfeld. Wir lassen sie in schweren Momenten, nicht alleine.

 

Wissen über die Krankheit erwerben

Pflegende Angehörige sollten  sich gründlich über die Krankheit informieren. Aussreichendes Wissen gibt Sicherheit im Zusammenleben mit dem Kranken. Es bewahrt vor Enttäuschungen aber auch vor unangebrachter Resignation. 

Die Teilnahme an Angehörigenschulungen dienen dazu, gerade im Bereich der Validation, wichtige Kenntnisse im "leichteren"  Umgang mit dem Erkrankten, zu erwerben. 

Unter Validation versteht man eine wertschätzende Haltung, die für die Begleitung von Menschen mit Demenz entwickelt wurde. Sie basiert insbesondere auf den Grundhaltungen der klinikzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers und hat zum Ziel, das Verhalten von Menschen mit Demenz als für sie gültig zu akzeptieren („zu validieren“).

Zum anderen ist das Validieren eine besondere Kommunikationsform, die von einer akzeptierenden, nicht korrigierenden Sprache geprägt ist, die die Bedürfnisse des betroffenen Menschen zu verstehen und zu spiegeln versucht.

Wann ein nächster Validationskurs stattfindet, sehen sie auf der Seite: Unsere Aktuelles/Termine

 

Den Erkrankten so annehmen wie er ist

Menschen mit einer dementiellen Erkrankung muss man so annehmen, wie sie sind. Auf Grund ihrer eingeschränkten Einsichts- und Lernfähigkeit darf man nicht erwarten, dass sie ihr Verhalten an die äußeren Notwendigkeiten anpassen.

Die Angehörigen müssen die Fähigkeiten erwerben, die Bedürfnisse und Wünsche der Erkrankten, aber auch ihre subjektive Weltsicht wahrzunehmen und anzuerkennen.

Anderseits müssen sie sich darin üben, kritische Äußerungen und unnötige Zurechtweisungen zu vermeiden.

Die Würde erhalten

Der Kern eines würdevollen Lebens ist es, selbstbestimmt leben zu können, in aller Buntheit und Widersprüchlichkeit: Ein würdevolles Leben, in dem jeder seine Potentiale  ausschöpfen und Träume leben kann und das nicht auf Kosten anderer tun muss.

Ein würdevolles Leben bedeutet für mich in erster Linie ein Leben, das auf Respekt, Rücksicht, aber auch auf Selbstverwirklichung und Sicherheit basiert.

                                                                                                                                                                                           (Ingrid Louwers)

Die Würde des Menschen ist unantastbar – auch die, des Menschen mit Demenz

Aber wie sieht ein würdevolles Leben mit Demenz aus? Für dementiell erkrankte Menschen ist es belastend, dass Abhängigkeit und Fremdbestimmung ihr Leben beeinflussen. Wie dementiell Erkrankte trotz Krankheit in wichtigen Entscheidungsprozesses mit einbezogen werden können, hängt entscheidend von den sie begleitenden Menschen ab. Den Angehörigen, Nahestehenden und den Pflegekräften.

Es gibt dennoch Situationen, in denen der Erkrankte nicht mehr in der Lage ist, die Tragweite seiner Entscheidung zu übersehen und sich gefährdet. Gerade dann kommt es darauf an, gemeinsam mit den Angehörigen nach einer Lösung zu suchen, die auf die Bedürfnisse eingeht, also die „Würde“ erhält und gleichzeitig Schaden abwendet.

Wichtig ist es, die Gefühle des Erkrankten wahrzunehmen und zu respektieren

  • Dementiell erkrankte Menschen fühlen sich oft falsch verstanden und bevormundet
  • Entscheidungsgrundlagen der pflegenden Personen können oft schlecht bis gar nicht nachvollzogen werden
  • Erkrankte reagieren schnell verärgert wenn man sie für Dinge verantwortlich macht, die sie selbst längst vergessen haben

 

Menschen mit Demenz benötigen viel Zeit für alle Reaktionen und Handlungen.  Alltägliche Erledigungen wie z.B.: Körperpflege, Anziehen oder auch das Essen, werden zur Herausforderung und dauern länger als gewöhnlich. In fortgeschrittenen Stadien müssen diese Tätigkeiten fast vollständig von Pflegenden übernommen werden, deren Geduld und zeitliche Möglichkeiten oft an ihre Grenzen stoßen. 

Trotz knapper Personaldecken in manchen Heimen, trotz Pflegestress im häuslichen Bereich, ein dementiell Erkrankter sollte gerade dann, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist, so versorgt werden können, dass die Lebensqualität unversehrt bleibt.

 

Gerade bei Demenzkranken besteht häufig die Gefahr, dass noch vorhandene Kompetenzen übersehen werden. Offenkundige kognitive Defizite können dazu verleiten, anzunehmen, dass der Kranke gar nichts mehr versteht, dass er zu einer normalen Interaktion gänzlich unfähig ist. Dagegen zeigen neuere Forschungsarbeiten, dass Demenzkranke auch im fortgeschrittenen Stadium durchaus in der Lage sind, differenziert auf soziale Situationen zu reagieren. „Auch Demenzkranke erleben Emotionen und drücken diese aus.“ Indem Demenzkranke in der Lage sind, ihre Emotionen zumindest nonverbal zu äußern, ist es, so Prof. Dr. phil. Andreas Kruse aus der Universität Heidelberg zufolge, Ärzten und Pflegenden möglich, einen Zugang zu ihnen zu finden und auch aufrechtzuerhalten. „Einen solchen Zugang vorausgesetzt, ist die Pflege Demenzkranker nicht lediglich Last, sondern auch zwischenmenschliche Begegnung, in der Hilfeleistung mit Dankbarkeit zusammentrifft und damit Helfen auch als befriedigend erlebt werden kann. Demenz bedeutet keinesfalls den Verlust von Individualität.“ 

 

Zunehmende Hilfsbedürftigkeit auffangen

Der Umgang mit demenzkranken Menschen ist für Angehörige oft eine große Herausforderung. Geliebte Menschen die man über viele Jahre als sehr selbständig erlebt hat und von denen man sich oft selber einen Rat eingeholt hat, benötigen nun immer mehr die Hilfe und Unterstützung anderer. 

Wenn sogar dann noch die eigene Mutter oder der Vater erkranken, kehrt sich die Situation zwischen Eltern und "Kinder" oft um. Die Kinder müssen nun ihren Eltern über einen langen Zeitraum pflegend zur Seite stehen  und erleben, wie die Erkrankten der Demenz geschuldet, immer abhängiger von den Angehörigen werden. 

Plötzlich erinnert sich der geliebte Mensch nicht mehr an Dinge, die vor kurzem noch selbstverständlich schienen. Der Erkrankte wird  unsicher gegenüber seiner Umwelt und verhält sich oft aus der Sicht der Angehörigen "unlogisch". Gerade in solchen Phasen ist der professionelle, liebevolle und gut geschulte Umgang mit dem Errkrankten äußerst wichtig. Die Pflege dementiell erkrankter Menschen ist selbst für ausgebildete Pflegende oft eine Herausforderung.

Nehmen sie rechtzeitig Hilfe in Anspruch. Wir beraten sie gerne!

 

Mit problematischen Verhaltensweisen umgehen lernen

Im Verlauf der Erkrankung kommt es durch die Abbauprozesse im Gehirn zu typischen Störungen der Denkleistung und der Merkfähigkeit.

Bei den meisten Menschen mit Demenz treten zusätzlich ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten auf, die nicht nur für den Erkrankten unangenehm sind, sondern auch bei Angehörigen und Pflegenden zu Frustration führen oder diese sogar an ihre physischen und psychischen Grenzen bringen.

Typische Verhaltensauffälligkeiten sind:

  • Unruhe
  • Aggression und Streitsüchtigkeit
  • Argwohn/Verdächtigung anderer
  • Halluzinationen
  • Wahnvorstellungen
  • Schlaflosigkeit
  • Rastloses Umherlaufen

 

Diese Verhaltensauffälligkeiten gehören zwar auch zum Krankheitsbild, können jedoch durch folgende Umstände ausgelöst oder sogar noch verstärkt werden:

 

  • Körperliches Unwohlsein
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Chronische Schmerzen
  • Entzündungskrankheiten
  • Ernährungsmangel
  • Flüssigkeitsmangel
  • Vermindertes Hör- und Sehvermögen

 

Oft kann eine Veränderung der sozialen oder häuslichen Umgebung helfen, zum Beispiel regelmäßige Mahlzeiten, häufiges Anbieten von Getränken oder ausreichende Lichtquellen, Beschäftigung am Tage, damit nachts geschlafen wird (Schlafhygiene).

Auch eine (neue) Brille oder ein Hörgerät können die Situation verbessern. In manchen Fällen müssen jedoch Dosierungen von Medikamenten geändert oder neue Medikamente eingesetzt werden.

Welche Medikamente helfen bei problematischen Verhaltensweisen? Auf die oben beschriebenen, eher im seelischen Bereich liegenden Verhaltensänderungen, die für Betroffene, Angehörige und Pflegende problematisch sind, sollte man zunächst mit Änderungen im sozialen und häuslichen Umfeld reagieren. Auch pflegerische Verbesserungen und Hilfen können manche Verhaltensweisen mildern.

Gelingt auf diese Weise keine zufrieden stellende Verbesserung, kann der behandelnde Arzt – je nach Verhaltensauffälligkeit – unterschiedliche Medikamente verschreiben. Grundsätzlich gilt: Neu auftretende Verschlechterungen können immer auch mit Nebenwirkungen eines Medikaments zusammenhängen.

 

Gefahrenquellen minimieren

Versuchen sie nicht den Betroffenen zu verändern. Machen sie sich klar, dass man den Erkrankten so annehmen muss, wie er krankheitsbedingt ist. Halten sie die Eigenständigkeit des Erkrankten so lange wie möglich aufrecht.

Vertraute Menschen, Dinge und Erinnerungsstücke sind für Demenzkranke wichtiger als die Gegenwart, in der sie sich nicht mehr zurechtfinden.

Führen sie Pflegemaßnahmen stets strukturiert und in gleichbleibender Kontinuität durch. Waschen sie beispielsweise und cremen sie z.B. in Haarwuchsrichtung ein. Oft hilft es dem Patienten, wenn sie ihn bei der Pflege Musik hören lassen.

Einige Tipps um mögliche Gefahrenquellen auszuschließen

 

  • Sichern sie aber mögliche Gefahrenquellen wie Gas- oder Elektrogeräte, Treppen und glatte Badewannen. Rutschfeste Einlagen in der Badewanne und der Dusche sind zu empfehlen.
  • Zusätzlich sollten im Bad und an der Treppe Haltemöglichkeiten angebracht werden.
  • Schließen sie Chemikalien und Putzmittel weg. Entfernen sie den Badezimmerschlüssel, da der Betroffene eventuell zwar abschließen, aber nicht mehr aufschließen kann.
  • Kippen sie Fenster, aber öffnen sie sie niemals ganz.
  • Sorgen sie für ausreichende Beleuchtung in allen Räumen.
  • Bringen sie in der Wohnung Hinweisschilder, farbige Kennzeichnungen und gut lesbare Uhren an.